Voralpen - Tour nach Rosenheim im VW Beetle Cabrio


Nein, wir sind nicht auf den Spuren der Rosenheim-Cops aus der gleichnamigen Vorabend-Krimiserie. Wir wollen auch keine Verbrechen aufklären, sondern einige Tage gemeinsam mit unserem Beetle-Cabrio durch das bayerische Voralpenland von Kempten nach Rosenheim kurven und was erleben.

Was für ein Start, die Sonne scheint, Dach und Türen sind geöffnet - los geht's. 260 Kilometer lang ist die Strecke von Kempten nach Rosenheim, die Sonne lacht und wir freuen uns auf ein paar idyllische Tage mit dem VW Beetle Cabrio durch das Oberallgäu. Wir fahren einfach los, wie immer ist das „Miss Ferrari“ Navi on Board und eine ADAC-Straßenkarte.


Ottobeuren

Unser erster Stopp ist die Marktgemeinde Ottobeuren. Der kleine Ort liegt elf Kilometer südöstlich von Memmingen.Dort steuern wir eine der schönsten Barockkirchen Süddeutschlands an, die Benediktinerabtei. Baubeginn war im Jahre 1711. Der Hausarchitekt P. Christoph Vogt (t 1725) lehnte den Baustil des Klosters an die Kollegienkirche in Salzburg an. 22 Mönche leben im Kloster nach dem benediktinischen Grundsatz: Ora et Labora oder Bete und Arbeite.

Das Kloster steht auf einem sanften Hügelrücken und bietet vom Markplatz aus einen imposanten Blick auf die ganze Anlage. Nach Besichtigung der Kirche trinken wir im klösterlichen Ambiente des Garten-Cafés eine Latte Macciato und das zu unserer Freude bei strahlendem Sonnenschein.

Benediktinerabtei Ottobeuren, Sebastian-Kneipp-Straße 1, 877240 Ottobeuren, Telefon: 08332/79 80, eMail: bildungshaus@abtei-ottobeuren.de, www.abtei-ottobeuren.de.


Unser erstes Quartier,
einfach aber idyllisch

Kempten

Angekommen in Kempten fahren wir ein Parkhaus an. Machen einen Spaziergang über den tollen Marktplatz der Stadt an der Iller, entlang an schönen Rokkokofassaden und renovierten Patrizierhäusern. Im Ratscafé bestellen wir uns natürlich das bayrische Nationalgericht: Weißwürste mit „Händelmaier-Senf“ und Brezeln.


Schwangau

Obwohl wir die Schlösser vom schönen Ludwig schon besichtigt haben, entschließen wir uns den Umweg von Füssen Richtung Hohenschwangau zu wagen. Wir wissen – da ist viel los und warten über eine Stunde. Natürlich wollen wir mit der Kutsche hochfahren. Wir sind umzingelt von einem fröhlichen Völkchen buntgemischter Touristen aus aller Welt. Kurz danach rattern wir doch mit dem Fiaker die zehnminütige Fahrt zum Schloss Neuschwanstein hoch.

Zwischen Touristen aus Amerika, die Insiderstories von den Clintons erzählen, kommen wir bald oben an. Das Schloss im Stil einer mittelalterlichen Burg wurde von 1869 bis 1986 erbaut. Seine Inneneinrichtung aus der Biedermeierzeit ist unverändert erhalten.

Den Weg zurück wandern wir durch den Wald. Dies scheint eine Abkürzung zu sein. Nach wenigen Minuten sind wir am Parkplatz und reisen weiter nach Steingaden. Unser Tipp: Das Schloss in der Sommerzeit möglichst vormittags besuchen, da sind die Wartezeiten kürzer.

Touristinformation Schwangau, Münchener Straße 2, 87645 Schwangau, Telefon: 08362/81 98-0,  eMail: info@schwangau.de, www.schwangau.de, Öffnungszeiten: bitte anfragen. Eintrittspreis: 9.00 Euro.




Der Berg ruft, aber leider
bei Regen - also Dach zu


Steingaden

Endlich in Steingaden. Im Gasthof Graf, einem seit Generationen geführten Haus, sind wir herzlich willkommen. Die Zimmer sind einfach, leicht plüschig eingerichtet. Die Möbel sind zusammengewürfelt, wie bunte Kinderbauklötzchen. Das Gasthaus selbst wirkt mit seinen rot-weiß gestreiften Fensterläden wie ein kleines Gutshaus. Zum Essen gehen wir in den „Lindenhof“, gleich um die Ecke.

Am nächsten Morgen, als ich das kleine Fenster zum Hof öffne, liegen die Berge in blauem Dunst vom Regen der vergangenen Nacht. Das Frühstück ist schlicht und gesund. Wir genießen die urgemütliche Atmosphäre des altbayerischen Wirtshauses und tanken Energie für die nächsten Erlebnisse auf unserer Tour.

Gasthof Graf, Schongauer Straße 15, 86989 Steingaden, Telefon: 08862/2 46, eMail: gasthof-graf@gmx.de, www.gasthof-graf.de, Zimmer ab 21,00 Euro inklusive Frühstück; Landgasthof Lindenhof, Schongauer Straße 45, 86989 Steingaden, Telefon: 08862/60 11, eMail: info@Landgasthof-Lindhof.de, www.landgasthof-lindenhof.de.


Wieskirche und Murnau am Staffelsee

Wir stellen unser schwarzes Käfer-Cabrio auf dem Parkplatz der Wieskirche ab. Vorbei an einer Schar japanischer Frühaufsteher und einem Souvenierstand mit Heiligenbildchen und Enzianbroschen, wandern wir hinauf zu der Wallfahrtskirche, die der Inbegriff des bayerischen Rokoko ist.

Pfarramt Wieskirche, Wies 12, 86989 Steingaden, Telefon: 08862/93 29 3-10, www.wieskirche.de , Öffnungszeiten: Sommerzeit 8.00 bis 19.00 Uhr, Winterzeit: bis 17.00 Uhr


Nach der Besichtigung kutschieren wir weiter Richtung Murnau am Staffelsee; vor uns liegen saftig grüne Wiesen, die noch feucht vom Morgentau sind, links stehen alte Heuschober aus dunklem verwitterten Holz. Die Häuser in der Fußgängerzone des Ortes sind in Gelb, Rot und gefallen uns. Eine wunderbare See- und Moorlandschaft, die einen inspiriert, umgibt Murnau.



Eine kleine Pause muss sein
für Beetle und Pilotinnen


Schlehdorf am Kochelsee

Den Staffelsee haben wir hinter uns gelassen. Neue kirchliche Abenteuer und ein weiterer See warten auf uns. Das Besondere an der Pfarrkirche ist die im Jahre 1783 fertiggestellte Orgel des Orgelbauers Franz Thome aus Aitrang/Allgäu. Seit der Restaurierung findet nun jedes Jahr im September ein Orgelkonzert mit bekannten Organisten statt. Noch ein Blick auf den See, der leicht kräuselnd, tief grün vor uns liegt, so wie Bergseen eben aussehen.

Katholisches Pfarramt Schlehdorf, Kirchstraße 2, 82444 Schlehdorf, Telefon: 08551/92 08 10, www.pfarrei-schlehdorf.de.


Walchensee

Wir landen unfreiwillig am Walchensee, Miss Ferrari-Navi wollte einfach mal wieder ihren Willen durchsetzen. In einem Biergarten am See essen wir zu Mittag. Wir bestellen köstliche frische Pfifferlinge mit Knödeln.

Die tolle Sicht auf das Massiv des Karwendel-Gebirges und den Walchensee entschädigt uns voll und ganz für den Umweg. Auch unser „alter Goethe“ fuhr 1786 sowie 1790 auf der alten Straße nach Italien, um am Walchensee Rast zu machen. Gemütlich tuckern wir diese Strecke zurück nach Benediktbeuern.



Im Kloster war es früher und auch noch heute ein 
ruhiges und beschauliches Leben. Manchmal beneidenswert.


Benediktbeuern

Auf das Jahr 727 lässt sich die Gründung dieser Klosteranlage zurückverfolgen. Heute befinden sich zwei Hochschulen der Fachrichtung Sozialpädagogik und der Katholischen Theologie im Kloster. Die Anlage ist von einem wunderbaren Labyrinth eines Meditations-Kräutergarten umgeben.

Wir lassen uns von den tollen Farben und dem Duft der Kräuter verzaubern. Beim Rundgang begegnen wir einem Mönch. Mit „Gottes Segen“ setzen wir unsere Cabrio-Fahrt fort.

Kloster Benediktbeuren, Salesianer Don Boscos, Don-Bosco-Straße 1,83672 Benediktbeuren, Telefon: 08857/88-0, eMail: info@kloster-benediktbeuren.de, www.kloster-benediktbeuren.de.


Bad Tölz

Das alte Tölz mit seinen Gassen und bunten Häusern und hektischem Treiben lässt urlaubsfeeling aufkommen. Wir suchen nicht nach dem „Bullen von Tölz“ und wollen auch keine „Bullenknacker“ verspeisen. Wir bummeln durch die Seitenstraßen der Markstraße. In einem kleinen Trachtenladen kaufen wir Trachtenjacken mit Hornknöpfen. Die Preise waren so human, da mussten wir einfach unsere Euros verteilen.


Gmund am Tegernsee

Nach Tölz wird es ruhiger. Vorbei an pittoresken Bilderbuch-Dörfern, von denen viele noch aussehen wie zu Ludwig Ganghofers Zeiten steuern wir den Beetle über einsamen Landstraßen zum Tegernsee; manchmal weht der Geruch von Pilzen aus dem Wald ins Auto. Es soll der See mit der höchsten Millionärsdichte in Bayern sein, klärt man uns auf. Wir genießen die wärmende Sonne, als wir im offenen Cabrio dahinkurven.

In Gmund spazieren wir den Seeuferpfad entlang und beobachten Haubentaucher, Höckerschwäne, Gänsesäger und Stockenten. Sie alle und noch mehr Arten sind regelmäßige Brutvögel an diesem bayerischen See. Die Sonne versteckt sich gerade hinter Wolken, die wie zerrupfte Wattebäuschen wirken.


Happinger See

Zügig brettern wir ohne weiteren Aufenthalt nach Rosenheim. Im Seerestaurant „Hubertus“ mit Blick auf das Inntal übernachten wir. Das Kleinod in Bayern, tief im Wald am Happinger See versteckt , weckt Erinnerungen an unsere Mädchenzeit und eines unserer Lieblingsbücher: „Das doppelten Lottchen“, als sich Luise und Lotte im Ferieninternat in Seebühl am Bühlsee zum ersten Mal erstaunt gegenüber standen. Im „Hubertus“ kann man Angeln, Spazierengeh’n im Sommer paddeln und im Winter Schlittschuhlaufen gehen oder wie wir es tun, uns einfach ausruh’n von der Fahrt und frische Fische essen.

Seerestaurant Hubertus, Seestraße 49, 83026 Rosenheim, Telefon: 08031/66 23 6, eMail: info@seerestauranthubertus.de, www.seerestauranthubertus.de, DZ ab 68,00 Euro inklusive Frühstück.



Da mussten wir halten, am Dorfplatz mit
Linde und Brunnen, wie im Volkslied.


Rosenheim

Rosenheim liegt am Inn, mit südlichem Flair, wir spüren viel Atmosphäre, Brauchtum und bayerische Lebensart. Die Stadt der Rosenheim Cops liegt in einem der schönsten Feriengebiete Bayerns: in der Voralpenlandschaft zwischen Wendelstein und Chiemsee.

Wer kennt nicht die beliebte Serie im ZDF um die beiden Rosenheimer Kommissare Korbinian Hofer und seinem Kollegen Christian Lind. Wir nehmen uns die Zeit und besuchen Sie die Originaldrehorte der neuen und alten Folgen. So lernen wir die Stadt auf eine andere Weise kennen, die 1234 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Touristinfo Rosenheim, Kufsteiner Str.4, 83022 Rosenheim , Telefon 08031/365-9061, eMail: touristinfo@rosenheim.de, www.rosenheim.de


Spatzenhausen

Nördlich von Murnau liegt die kleine Gemeinde Spatzenhausen. Auf der Rückfahrt kaufen wir in der Spatzenhauser Käshütt’n noch köstlichen Bergkäse und andere Sorten aus der Region im „Blauen Land“ ein.

Wieder in Ottobeuren angekommen, übernachten wir spontan im Hotel Hirsch direkt am Marktplatz gegenüber der weltberühmten Basilika. Es ist schon 17.00 Uhr, wir sind viel zu müde, um noch die 150 Kilometer nach Stuttgart zu bewältigen. Auch regnet es in Strömen. Wir beschließen, den Tag mit einer guten Mahlzeit in einem urigen Wirtshaus, bummeln noch über den Marktplatz und seine romantischen Seitenstraßen.

Spatzenhauser Käshütt’n, Olympiastraße 4, 82477 Spatzenhausen, Telefon: 08847/6 99 248, Hotel Hirsch, Marktplatz 12, 87724 Ottobeuren, Telefon: 08332/79 6 77-0, eMail: info@hirsch-ottobeuren.de, www.hirsch-ottobeuren.de, DZ ab 99,00 Euro inkl. Frühstück.



Ende gut, Alles gut, noch eine Kloster-Kerze
anzünden - und die Sonne lacht wieder.


Rottenhausen

Früh morgens, Nebelschwaden umrahmten noch den alten Lindenbaum, als wir das Cabrio stoppen. Ein verrosteter Brunnen, eine alte Baumbank erinnert uns an ein altes Volkslied mit der Melodie von Franz Schubert.

Ein paar Fotos und weiter schlängeln wir uns durch enge Straßen fort. Urplötzlich taucht ein dichter Wald mit hohen Fichten vor uns auf, die aufgereiht wie Zinnsoldaten in endlos wirkenden Reihen in den Himmel ragen. Eine mystische Stimmung kommt auf, die uns hier im Grünen kurz anhalten lässt.

Das Sonnenlicht bricht durch die die alten Bäume und leuchtet einzelnen Stellen auf dem Boden an. Da fällt uns im Dickicht der steilen Wegkreuzung ein bemaltes und kunstvoll verziertes Totenbrett in die Augen, das an einen jungen Mann erinnert, der hier 1852 mit seinem Bollerwagen verunglückte. Es würde uns nicht wundern, wenn gleich schnatternde Elfen aus dieser Waldeinsamkeit auftauchen und kleine Wichtel aus dem Gebüsch purzeln um Schabernack mit uns zu treiben.


Biberach, Ulm Stuttgart

Auf der Rückreise machen wir noch in Biberach eine Kaffeepause. Dann geht es weiter nach Ulm. Die Sonne strahlt mit uns um die Wette. Wir besuchen im Ulmer Münster ein Orgelkonzert das täglich von Dienstag bis Samstag um 12.00 Uhr eine halbe Stunde stattfindet.

Wir sitzen im kircheninnern an einem Seiteneingang auf einer Steinbank und lauschen verzückt dem Cantabile „For You“ von Enrico Pasini, der 1937 in Rom geboren wurde.Wieder außerhalb des Klosters, noch ganz benommen von der schönen Orgelmusik, treten wir die Heimfahrt nach Stuttgart an.

260 Kilometer durch das traumhafte bayerische Voralpenland liegen hinter uns. Wir haben gemütliche Pensionen und tolle Gästhäuser entdeckt. Wir sind durch niedliche Dörfer und Orte gefahren, deren Namen wir noch nie gehört haben. Eine Reise mit dem Beetle-Cabrio voller überraschender und wunderschöner Momente. Der Volkswagen war wieder ein treuer und zuverlässiger Freund. Die nächste Cabrio Tour ist schon in Planung.

Text und Foto: Ute Mittelmeier , Silvia Roggenwallner
      
       

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