Das Erbe der Hohenzollern in Franken

Cadolzburg

Eine der mächtigsten Dynastien Europas, das Haus Hohenzollern, regierten als deutsche Kaiser, waren preußische Könige, Kurfürsten und vor allem auch Markgrafen im heutigen Franken. Als Burggrafen von Nürnberg starteten sie im Mittelalter ihre fast 1.000 Jahre dauernde Karriere.

Das Erbe der Hohenzollern ist heute noch in vielen Städten und Orten in Franken deutlich sichtbar, seien es die Schlösser und Gärten in Bayreuth, die Plassenburg hoch über Kulmbach, die Erlanger „Neustadt“ oder die Ansbacher Prachtbauten. Eine frühe „Machtzentrale“ errichteten die fränkischen Hohenzollern mit der Cadolzburg: Genau dort feiert im Juni 2017 das neue Burgmuseum „HerrschaftsZeiten!“ Eröffnung.

Kaiser Wilhelm II., Preußenkönig Friedrich der Große, die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine, Georg der Fromme oder der berühmte Albrecht Achilles von Brandenburg: Sie alle stammen aus dem Hause Hohenzollern – und damit aus einer Dynastie, die fast 1.000 Jahre lang die Geschichte und Geschicke Deutschlands geprägt hat.

Die ersten wichtigen Schritte auf ihrer herrschaftlichen Karriereleiter erklommen die Hohenzollern als Burggrafen von Nürnberg in Franken, wo sie über die Jahrhunderte hinweg stolze Burgen, prachtvolle Residenzen, kunstvolle Gärten und ganze Städte nach ihren Vorstellungen errichten und anlegen ließen. An vielen Orten des Urlaubslands begegnet man noch heute den Hohenzollern – zum Beispiel ab Juni 2017 im neuen Museum „HerschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg“.


Es ist ein weiter Weg, der die Hohenzollern schließlich mit der deutschen Kaiserkrone belohnt. Seinen Anfang nimmt er in Nürnberg. Ursprünglich aus dem Schwäbischen kommend, heiratet ein Hohenzollerngraf namens Friedrich die Erbtochter der letzten Nürnberger Burggrafen und wird 1191/1192 vom Kaiser auch mit dem Amt des Burggrafen belehnt.

Sein Sitz ist die Burggrafenburg, die der Nürnberger Kaiserburg direkt vorgelagert ist und von der heute noch das Burgamtmannshaus, die Walburgiskapelle und der Fünfeckturm erhalten sind. Mehr über diese Zeit erfährt man direkt im Kaiserburg-Museum und im Museum Kaiser-Reich-Stadt, die beide direkt auf der Nürnberger Burg angesiedelt sind .

www.kaiserburg-nuernberg.de


Als Friedrich I. stirbt, teilen seine beiden Söhne den Besitz der Hohenzollern untereinander auf. Dem Burggrafen unterstanden wichtige fränkische Gebiete wie Cadolzburg, Windsheim und Hilpoltstein, die Burg Abenberg, Roßtal, Neustadt a.d.Aisch und die Vogtei in Heilsbronn.

Der ältere Sohn erhält die Stammlande im Schwäbischen; Konrad als jüngerer Bruder bleibt Burggraf von Nürnberg – und die Teilung des Hauses Hohenzollern in eine schwäbische und eine fränkisch-brandenburgische Linie ist vollzogen. Eben jener Konrad wird damit zum Stammvater der Kurfürsten von Brandenburg und der Könige von Preußen.

Doch bevor es so weit ist, betreiben Konrad und seine Nachfolger eine äußerst geschickte Erwerbs- und Heiratspolitik. Ihr Besitz vergrößert sich Stück für Stück, woraus später die fränkischen Markgraftümer von Ansbach und Bayreuth entstehen.

Auch jede Menge Lustbarkeiten bringt diese Zeit mit sich: die prächtige Hochzeit von Albrecht Achilles und Anna von Sachsen 1458 in Ansbach oder Burg Abenberg etwa wird zum Schauplatz großer Turniere. Noch heute umweht die stolze Burg ein Hauch dieser Ritterlichkeit, ganz taucht man in diese Zeit auf der Burg im „Haus fränkischer Geschichte“ ein.

www.museen-abenberg.de


Doch mit der Situation auf einer anderen Burg sind die fränkischen Hohenzollern in der Mitte des 13. Jahrhunderts überhaupt nicht mehr zufrieden – und zwar mit ihrer Nürnberger Burggrafenburg. Schon seit Jahren ist das Verhältnis zur freien und aufstrebenden Reichsstadt Nürnberg angespannt.

Die Hohenzollern ziehen die Konsequenzen und beginnen um 1250 mit dem Bau der Cadolzburg: Damit befinden sie sich zwar noch immer in der Nähe von Nürnberg, wahren aber dennoch einen „Sicherheitsabstand“. Die neue Burg wird zu einem Zentrum der Hohenzollern-Herrschaft:

Stolz und weithin sichtbar thront sie auf einer steilen Felsnase. Als eine der mächtigsten Burganlagen Bayerns dient sie den Hohenzollern nun lange Zeit als repräsentativer Herrschaftssitz. Stück für Stück bauen sie nicht nur die Burg immer weiter aus, sondern auch ihre Macht.


Genau dieser spürt man ab Juni 2017 im neuen Burgmuseum „HerrschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg“ nach. Auf rund 1.500 Quadratmetern lädt es ein zu einer Zeitreise ins späte Mittelalter und damit in die Glanzzeit der Cadolzburg als Fürstensitz der Hohenzollern.

Die Ausstellung erzählt, wie damals Recht gesprochen wurde, wie Feste gefeiert, zur Jagd geritten und gekämpft wurde – und zwar auf sehr lebendige Weise. Hier staunt man über prachtvolle „Outfits“ und fürstliche O-Töne, entdeckt wertvolle Originalobjekte und aufwendige Reproduktionen und begleitet dank kurzweiliger Geschichtsspiele und eindrucksvoller Medieninszenierungen die Hohenzollern auf ihrem Karriereweg. Auch ganz profane Dinge spart das Museum nicht aus, etwa, wie es mit der Hygiene einst auf der Burg aussah.

www.burg-cadolzburg.de


Während das Mittelalter voranschreitet, sind die fränkischen Hohenzollern weiter fleißig dabei, ihren Einfluss zu mehren: Unter anderem kaufen sie das Roßtaler Schlossgut, die Alte Veste in Zirndorf und sogar ganz Ansbach.

Auch die Herrschaft Plassenburg mit Kulmbach fällt an die Hohenzollern. Selbst die letzten Dinge regeln die Hohenzollern: Das Münster in Heilsbronn wird 1297 zur Familiengrablege. Bis 1625 finden hier Markgrafen und Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern ihre letzte Ruhe.

Kostbare Altäre, Bildtafeln, Epitaphien und Hochgräber bilden dabei nicht nur die Gesichter der hier beerdigten Hohenzollern ab, sondern auch ihren steilen Aufstieg – und sie dienen als Kulisse für die Konzerte der „Geistlichen Musik im Münster Heilsbronn“ (19. März bis 25. November 2017).

www.heilsbronn.de


Die Linie der fränkischen Hohenzollern erfährt 1415 eine bedeutende Aufwertung: Friedrich VI. werden für seine Verdienste der Besitz der Markgrafschaft Brandenburg und zugleich die Kurwürde übertragen: Damit ist er nun einer der mächtigsten Fürsten des Deutschen Reiches.

Sein Sohn Albrecht Achilles herrscht sowohl in der Mark Brandenburg als auch in Franken, unter seinen Söhnen aber werden die Herrschaftsgebiete aufgeteilt und die fränkischen Markgraftümer vom Kurfürstentum abgetrennt.

Während die brandenburgischen Hohenzollern das Wachstum Brandenburg-Preußens vorantreiben und schließlich den preußischen Thron besteigen, werden die fränkischen Markgraftümer Ansbach und Bayreuth-Kulmbach 300 Jahre lang unabhängig regiert.

Schillernde und eindrucksvolle Persönlichkeiten sind unter diesen Herrschern: Anna von Sachsen beispielsweise, die auch als Witwe ihrem Gatten Albrecht Achilles treu bis in den Tod ist und die im Alten Schloss von Neustadt a.d.Aisch alleinstehende Hohenzollern-Töchter unter ihre Fittiche nimmt und zahlreiche Prinzen erzieht.

Oder Markgraf Kasimir, der zusammen mit seinem Bruder 1515 auf der Kulmbacher Plassenburg seinen Vater zuerst betrunken macht und ihn in diesem Zustand die Abdankungsurkunde unterschreiben lässt. Auch Markgraf Georg der Fromme ist darunter, der sich nicht nur in Roth das prachtvolle Jagdschloss Ratibor baut, sondern sich auch als vehementer Verfechter der Reformation erweist.

Neben vielen Neuerungen erweisen sich die fränkischen Hohenzollern als große Bauherren und Stifter. Die Burgen, Festungen, Kirchen und Schlösser, die sie während ihrer Regentschaft errichten und ausbauen lassen, gehören auch heute noch zu den Wahrzeichen Frankens.

Eines von ihnen ist die Plassenburg über Kulmbach. 1554 wird sie teilweise zerstört: Das nimmt Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach zum Anlass, um diese Hohenzollern-Residenz bis 1579 prachtvoll umzugestalten: etwa mit dem von Renaissance-Arkaden eingerahmten „Schönen Hof”, der jedes Jahr zur Bühne für das „Plassenburg Open Air“ (11. bis 16. Juli 2017) wird.

In den eindrucksvollen Wohnräumen der Burg, die ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert stammen, vermittelt das Museum „Die Hohenzollern in Franken” eine Vorstellung vom fürstlichen Leben auf der Plassenburg.

www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/kulmbach.htm


Nicht vom fürstlichen Wohnen, sondern von der Wehrhaftigkeit zeugt hingegen die Hohenzollernfestung Wülzburg, die hoch über Weißenburg i.Bay. thront. Es ist ebenfalls Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach, der 1558 den Bau dieser Landesfestung beauftragt.

Errichtet wird sie auf dem Wülzburger Berg in Form eines gewaltigen Sterns als damals hochmoderne Artilleriefestung – heute ist sie eine der am besten erhaltenen Renaissancebauten im gesamten deutschsprachigen Raum .

www.weissenburg.de/wuelzburg


Einer ganz anderen Intention folgt über 100 Jahre später Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth. Ab 1686 lässt er neben dem bestehenden Ackerbürgerstädtchen Erlangen eine barocke Planstadt errichten: Die Neustadt Erlangen wird für die aus Frankreich geflohenen Hugenotten gebaut, mit denen der Markgraf die Wirtschaft in seinem Herrschaftsgebiet beleben will.

Es entsteht eine Stadt, die die Ordnung im Staatswesen des Markgrafen widerspiegeln soll: Mit symmetrisch zur Hauptstraße angelegten Baublöcken, schnurgeraden Straßen- und Platzfronten, einheitlich zwei- und dreigeschossigen Häusern und als Herzstück das Schloss mit dem Schlossgarten strahlt die Erlanger „Neustadt” noch heute markgräfliche Eleganz aus.

Wunderbar genießen lässt sich diese zum Beispiel bei den sommerlichen Schlossgartenkonzerten oder beim Schlossgartenfest (24. Juni 2017)

www.erlangen-marketing.de


Auch Ansbach erblüht unter den Hohenzollern. Seine Entwicklung zur barocken Residenzstadt findet gegen Ende des 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die Markgräfliche Residenz mit ihren 27 Prunkräumen, der Hofgarten mit der Orangerie, die Hofkirche St. Gumbertus, das Markgrafenmuseum und die jährlichen Rokoko-Festspiele (30. Juni bis 4. Juli 2017) sind hervorragende Zeugen der Ansbacher Markgrafenzeit.

www.ansbach.de



Die Geschichte der Hohenzollern in Franken wäre aber keinesfalls komplett ohne Bayreuth, das bis heute auf einzigartige Weise das Flair der Hohenzollern ausstrahlt: Bayreuth. 1603 verlegen die hohenzollerischen Markgrafen ihren Regierungssitz von der Kulmbacher Plassenburg nach Bayreuth.

Das zieht selbstverständlich eine rege Bautätigkeit nach sich: Markgraf Georg Wilhelm etwa lässt sich an einem Weiher nahe der Stadt eine nach ihm benannte Planstadt errichten und inszeniert auf dem Wasser Schlachten mit seetüchtigen Schiffen. Vor allem aber ist es eine Frau, die Bayreuth in ihr ganz eigenes „Arkadien” verwandelt.

Die preußische Hohenzollern-Prinzessin Wilhelmine, Lieblingsschwester von Friedrich dem Großen, heiratet 1731 den ebenfalls der Dynastie der Hohenzollern entstammenden Bayreuther Erbprinzen Friedrich. Als sie aber in ihrer neuen Residenzstadt ankommt, ist sie enttäuscht. Die Stadt entspricht noch gar nicht ihren Vorstellungen einer standesgemäßen Hofhaltung.

Also beginnt Wilhelmine, eine äußerst kunstsinnige Frau der Aufklärung, Bayreuth nach ihren Wünschen umzugestalten. Intensiv nimmt sie Einfluss auf die Planung und Ausstattung der Bayreuther Schlösser und die Gestaltung der Gartenanlagen, die als Ensemble einzigartig in Europa sind.

Das Neue Schloss, die Eremitage, der Hofgarten, Schloss Fantaisie oder die Hofkirche: Alle diese Bayreuther Bauten tragen – ebenso wie der Felsengarten „Sanspareil” im nahen Wonsees – deutlich Wilhelmines Handschrift.

Mit einem Bau übertrifft sich Wilhelmine, die als Bühnenautorin, Komponistin und Schauspielerin in Erscheinung tritt, selbst: 1748 wird in Bayreuth das Markgräfliche Opernhaus eingeweiht. In Größe und Pracht steht es den berühmtesten Häusern dieser Zeit in nichts nach, heute zählt es nicht nur zu den wenigen erhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, sondern auch zum Welterbe der UNESCO.

Derzeit werden die Innenräume des Theaters aufwendig saniert – die feierliche Wiedereröffnung ist im Frühjahr 2018 geplant. Bekanntschaft mit der Markgräfin kann man natürlich schon früher schließen: zum Beispiel beim Besuch des Museums „Das Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine“ im Neuen Schloss.

www.bayreuth-wilhelmine.de


Doch mit Ende des 18. Jahrhunderts neigt sich auch die fränkische Herrschaft der Hohenzollern ihrem Ende zu. 1791 tritt der kinderlose Markgraf Alexander, der zu dieser Zeit bereits die beiden fränkischen Linien der Hohenzollern in Personalunion regiert, seine beiden Fürstentümer gegen eine lebenslange Pension an Preußen ab.

Als Markgräfin Sophie Caroline Marie 1817 in Erlangen stirbt, erlischt die Linie der Hohenzollern in Franken. Die preußische Verwandtschaft freilich hat den Höhepunkt ihrer Macht noch vor sich: 1871 besteigt Wilhelm I. als erster Deutscher Kaiser den Thron – bis zum Ende der Monarchie 1918 tragen die Hohenzollern die deutsche Kaiserkrone.


Auf aktivem Weg zum Erbe der Hohenzollern

Das Erbe der Hohenzollern ist gerade in Franken noch sehr lebendig: Das zeigen die genannten Prachtbauten genauso wie unbekanntere Schönheiten wie etwa das ehemalige Kloster Langenzenn oder die Stadtkirche in Roßtal.

Ein Wegweiser zu diesem Erbe ist der neue „Hohenzollern-Radweg“. Er führt zwischen Nürnberg und Ansbach unter anderem nach Langenzenn, Cadolzburg, Roßtal oder Heilsbronn und damit in Orte, die besonders von den Hohenzollern geprägt wurden.

Ab Mai 2017 hat man unterwegs außerdem die Möglichkeit, mit einer passenden App an zentralen Punkten der Route einen Blick in die Geschichte und hinter die Fassaden der historischen Bauwerke zu werfen.

Einen Überblick über die Hohenzollern in Franken bietet außerdem die Webseite

www.frankentourismus.de/hohenzollern

die Bauwerke, Gärten und Kirchen mit Bezug zu den Hohenzollern vorstellt.



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